7. November 2011

Wir testen, was stimmt

Vor der Volksabstimmung am 27.11.2011 über das Stuttgart 21-Kündigungsgesetz starten wir mit Wahrheitstests zu Werbekampagnen von Befürwortern des milliardenschweren Tiefbahnhofs.

Heute: Verband Region Stuttgart (VRS)

Der VRS in Form einer Körperschaft hat unter anderem die so genannte  Aufgabenträgerschaft des Schienenpersonennahverkehrs in der Region. Konkret: Der VRS plant und finanziert den S-Bahn-Betrieb und anderen Schienennahverkehr im Regionsgebiet.

Die Projektbefürworter (CDU, SPD, Freie Wähler, FDP) sind in der Regionalversammlung, dem "gesetzgeberischen" Organ des VRS, in der Mehrheit und haben durchgesetzt, zur Volksabstimmung rund eine Million Euro in die Werbung für S21 zu pumpen.

Heute: Verband Region Stuttgart

 

Screenshot www.swp.de

Eine VRS-Kampagne sind Online-Banner im Internet u. a. in Zeitungsportalen, auf denen ein sympathischer junger Mann die angeblichen Vorteile von S 21 aus regionaler Sicht anpreist (siehe Screenshots).

Wir haben die Werbeaussagen recherchiert.
Das Ergebnis:

Den dargestellten Sport- und Gymnastiklehrer gibt es tatsächlich, und er ist auch in Eberdingen / Kreis Ludwigsburg zuhause.

Doch:
Laut Medienberichten und nach eigenen Recherchen arbeitet der Sportlehrer heute in Eberdingen hauptberuflich für mindestens zwei eigene Internet-Stores, darunter einen Internet-Shop mit S21-Devotionalien.

Auch wenn der Symphatieträger tatsächlich ein "Pendler aus dem Kreis Ludwigsburg" sein sollte, profitiert er nicht von Stuttgart 21. Sein Heimatort Eberdingen hat nämlich keinen Gleisanschluss. Der nächste Schienenanschluss wäre die Strohgäubahn in Heimerdingen -  und die endet ab dem Jahr 2012 in Korntal, wo unser Pendler auf die bestehende S-Bahnlinie 6 umsteigen muss. Das Milliardenprojekt bringt ihm also rein gar nix.

Unser Fazit:

Der VRS bekommt von uns kein Wahrheits-Testat, auch weil der Verband in seiner Werbekampagne weitere abenteuerliche Behauptungen zu Stuttgart 21 aufstellt. Beispielsweise, dass die S-Bahn-Verlängerung auf den Fildern nach Neuhausen nur durch S 21 kommt. Dabei hat ein Gutachten ergeben, dass S-Bahn-Fahrgäste aus Neuhausen auf der bisherigen S-Bahn-Strecke generell schneller nach Stuttgart kommen, weil sie im geplanten Flughafen-Bahnhof viel zu lange auf einen Regionalzug-Anschluss warten müssten.

Hier das Gutachten (PDF) zum S-Bahn-Stresstest herunterladen


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SPD-Fraktionsvorsitzenden Claus Schmiedel